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17.
06.08 Teil-Rundfahrt
auf den Vesteralen
Was für ein Tag!
Aber erst der Nachtrag zu gestern. Gegen 20:00 Uhr klopfte es an unserer
„Haustür“, und eine junge Frau stand davor. „Ich bin aus Kempen
und ich sehe, sie kommen auch aus der Ecke“, sagte sie. Wir baten sie
herein. Kempen ist nun wirklich nur 10 Kilometer von uns entfernt. Sie
war schon seit drei Wochen mit dem Fahrrad unterwegs und schlief immer
in ihrem Minizelt oder in Jugendherbergen – und das alles
mutterseelenallein. Stark!
Wir unterhielten uns eine Weile, und dann sah sie auf die Uhr und sagte,
sie müsse nach vorne in die Rezeption und dort TV gucken, Deutschland würde
spielen. Na, das war was für Anni. Wir also direkt mit. Der TV lief
auch exklusiv nur für uns, auch wenn das Bild auch sehr „schnee-ig“
war, das eine Tor konnten wir doch erkennen. Und jetzt ist unsere Fußballwelt
wieder in Ordnung – wir sind im Viertelfinale...
Heute morgen – bei strahlend blauem Himmel, "sattelten wir ohne
Frühstück unsere Hühner" und gingen um 7:00 Uhr auf Tour. Wir
wollten nach Andenes, dem nördlichsten Ort der Vesteralen.
Eine Traumfahrt, dachten wir. Aber es kam noch besser. Diese Stadt –
sie ist übrigens unser nördlichster Reise-Punkt – ist knuffelig, schön,
gemütlich und es wert, mal ´ne Woche dort zu verbringen auf einem
Campingplatz direkt am Atlantik. Das Wasser dort ist nicht nur
unterteilt von vielen kleinen Hügelchen, sondern das Wasser ist türkisblau
vor endlos weißen Sandstränden – immer wieder und um jede Ecke neu.
Dazu dieser unendlich blaue Himmel und die Sonne – heiß wie bei uns
im Hochsommer, also T-Shirt. Nur der Wind ist stramm und gewöhnungsbedürftig.
Aber es geht alles. Als erstes fuhren wir in den Ort zum knallroten
Leuchtturm. Nein, Wal-Safari´s gibt es seit drei Tagen nicht, zu
windig. Schade, aber ok. Dann fuhren wir durch den Hafen in den Ort
selbst und fanden ein Cafe zum frühstücken. DAS haben wir aus voller
Seele genossen.
Der Ort ist schön, verfügt über einen kleinen Hafen, nette Lokale und
Hotels direkt am Wasser. Und zwei „Discounter“ sind, neben den örtlichen Geschäften, auch im Ort. Für uns das Schönste
– der Ort ist so gebaut, dass es eine recht einsame Strasse direkt am
Wasser gibt, vom Ortseingang – bis -ausgang. So kann man diese
traumhafte Küste in vollen Zügen genießen und ist doch nah. Wie schön,
hier zu wohnen.
Natürlich gibt es hier auch den üblichen Schiffsverkehr. Selbst eine Fähre
zum gegenüber liegenden Norwegen-Festland ist während der Saison
vorhanden. Und die Hurtigruten kommen auch vorbei – ohne zu halten...
Der kleine Campingplatz liegt ebenfalls direkt am Wasser, direkt an
kleinen Buchten mit weißem Sandstrand und weitem Blick übers türkisfarbene
Meer. Es könnte auch in der Karibik sein – den Unterschied würde man
anhand der Bilder höchstens an den fehlenden Palmen bemerken!
Wir haben erst mal nur bedauert, dass wir nicht bleiben konnten. Und wir
haben dort den Entschluss gefasst, entgegen unserer bis dahin geltenden
Meinung – wir kommen wieder! So wie auf den Lofoten unser Traum-
Campingplatz (Sandsletta) ist, so sind die Vesteralen für uns die
Mischung aus Island und Neuseeland. Auf die dortigen Blubberlöcher dort
können wir verzichten. Mit anderen Worten – auch hier haben wir einen
Traum gefunden.
Da es noch nicht mal Mittag war, fuhren wir weiter an der Westküste
Atlantikseite. Ich möchte mich nicht wiederholen. Klasse, Klasse,
Klasse!
Alle Batterien unserer Kameras waren leer und wir hätten noch tausende
Fotos mehr machen können. Rentiere haben wir gesehen und einsame Plätze
mit bunten Booten und Fischernetzen und verschlafene Fischerdörfer und
Natur, schwankend zwischen Sumpflandschaft mit Millionen von
Wollgras-Pflanzen am Wegesrand und dann wieder Bäume, Hecken und Grün
in allen Schattierungen. Man kann es einfach nicht beschreiben – man
muss es erleben!
Aber irgendwann kamen auch wir wieder in der Wirklichkeit an, sprich der
Kreuzung nach Sortland.
Da wir keinesfalls noch einmal auf dem Katastrophen-Campingplatz landen
wollten, fuhren wir weiter auf die Nachbarinsel und dort in Richtung
Myre. Und da fanden wir dann ein Plätzchen auf einem kleinen Platz,
direkt am Fjord, mit Blick auf eine atemberaubende Berg-Kulisse. Nein,
die Mitternachts-Sonne werden wir hier auch nicht sehen, liegt in der
falschen Richtung, aber was macht das schon. Wir überlegen vielmehr, ob
wir morgen nicht schon wieder einen „Ruhetag“ einlegen sollen, es
ist auch hier auf seine Art toll...
18.
06.08 Weiterreise über die Vesteralen
Das war ja wieder was heute Nacht.
Plötzlich und unerwartet schüttete es aus allen Eimern. Und die Wiese,
auf der wir standen, verwandelte sich innerhalb kurzer Zeit in eine
Seen-Landschaft. Es war 00:44 Uhr, taghell und sehr beunruhigend. Ich
machte mir echte Sorgen, wie wir morgens bei diesem Regen den Wiesenhügel
oberhalb dieses Platzes mit unserer „Mücke“ wieder auf die Strasse
hinauf erklimmen sollten ohne durchdrehende Reifen oder Schlimmeres.
Aber Anni fühlte sich nur aus dem Schlaf gerissen und war demzufolge
sehr ungnädig mit mir...
Gegen 8:00 Uhr wachten wir dann auf – ich habe trotzdem wieder gut
weiter geschlafen – und es regnete immer noch. Zwar fisselig, aber
unangenehm.
Wir überlegten, was wir tun sollten - auf dem
Platz bleiben und Faulenzertag machen, weiterfahren oder abbrechen oder
umgehend weiterfahren nach Narvik aufs Festland. Wir entschieden uns für´s
Weiterfahren auf den Inseln, da es hier auch im Regen traumhaft schön
ist. Mit guten Tipps der Nachbarn aus Mönchengladbach ausgestattet –
die seit 18 Jahren auf diesen Wiesenplatz kommen – fuhren wir los
Richtung “Nyksund“. Eigentlich war das mal ein unbewohntes
Fischerdorf, aber ein Deutscher und seine Fan´s bauen/bauten die alten
Fischerhäuser wieder auf und basteln bestimmt noch die nächsten 20
Jahre daran. Und somit wurde es in die Liste der Sehenswürdigkeiten
verbannt. Das allergeilste aber ist die Strasse nach dahin –
ungeteert, durch den Regen rutschig wie Schmierseife, eng, schmal, aber
so was von „ich-weiss-nicht-wie ich-es-beschreiben-soll“-
USA-Backways lassen grüssen und noch ´ne Scheibe obendrauf. Und es war
furchtbar egal, dass das Wetter nach wie vor „fisselig“ war. Der Ort
selbst ist nur zu Fuß über eine Brücke erreichbar und dort befinden
sich nach/wieder aufgebaute Fischerhäuser. Wir waren nicht dort. Wir
haben Besseres gesehen, sorry. Aber
die Strasse dahin – einsame SPITZE!
Aber nichts desto Trotz – jeder, der die Natur
und seine manchmal außergewöhnlichen Eskapaden liebt, sollte zu
den Vesteralen fahren. Hier gibt es Gott sei Dank noch keinen
Wohnmobil-Massen-Tourismus, sondern hier treiben sich meist nur
Individualisten rum – übrigens sehr viele Franzosen -und es ist noch
einfach schön.
Campingplätze gibt es überall, aber da muss noch dran gearbeitet
werden, obwohl wir wiederum sehr viele PKW-Touristen gesehen haben, die
sich auf den Campingplätzen Hütten gemietet haben – kosten zwischen
40 – 100 Euro je nach Ausstattung. Und somit werden den „normalen“
Touristen auch die Chance geboten, Norwegen/Skandinavien für sich zu erschließen
– zu noch bezahlbaren Preisen.
Aber bei der Gelegenheit ein paar Worte zu den
Vesteralen. Ich möchte betonen, es gibt bessere und einschlägige
Literatur – auch im Internet – zu allen Reisen. Und wir möchten
hier zwar aktuelle Tipps geben, aber keinesfalls Reisebuch-Autor
spielen. Und so wird unsere Information eher aus dem Leben gegriffen
sein!
Die Vesteralen sind eher ein Stiefkind. Die meisten Touristen – und
jetzt ganz besonders seit die neue Brücke die Inseln mit dem Festland
verbinden – sind die Lofoten! der Renner. Und so ist es dann da auch.
Touris-Touris-Touris...! Die Vesteralen liegen leicht oberhalb. Die größte
Stadt ist Sortland. Dort legen sogar die Hurtigrutenschiffe an. Die
Inseln, die alle miteinander verbunden sind bestehen aus 5 Hauptinseln:
Andoy – Bö – Hadsel – Sortland -Öknes.
Jede von ihnen hat ihre eigene Geschichte, aber alle leben vom
Fischfang und dem Tourismus in der vielfältigsten Art. Und ALLE haben
diesen Flair von Natur in der reinsten Form.
Wenige sind hier, aber die meisten kommen wieder... wegen
Flora-Fauna-der Vogelwelt-Gebirge und Landschaft-dem Klima und der Ruhe.
Nachdem wir dann „Nyksund“ hinter uns gebracht
haben, fuhren wir weiter auf die Nachbarinsel. Dort gibt es unter
anderem alte aktive Fischerdörfer in „Nykan“ und „Hovden“. Ich
brauche nicht zu betonen, was wir da vorfanden – tolle Strassen, SONNE
mittlerweile, Natur pur, schreiende Möwen und ganze Felsen voller
Nistplätzen, und immer wieder diese verflixt engen Strassen an die
steilen Berge geschmiegt oder Felsen-rissig, gesplittert und trotzig im
Meer und in dessen Gezeiten liegend und natürlich kleine Fischerhäfen
und endlose Reihen Gestelle mit getrocknetem Dorsch. Ich kann dazu nur
sagen: Toter Fisch stinkt und getrockneter toter Fisch stinkt grässlich.
Erstaunlich, dass es Länder gibt, die diesen Fisch auch noch für
teures Geld kaufen...
Es war zwischenzeitlich spät geworden – fast
halb sechs Uhr - und wir suchten einen vernünftigen Campingplatz. Und
wir haben ihn wohl auch gefunden. Er nennt sich „Fjordcamp“,
beheimatet in dem unaussprechlichen Dorf „Kräkberget“. Aber total o.k.
Hier sind viele Hütten direkt am Fjord und demzufolge viele
Hobbyangler. Von der Ausstattung her besser als so manch anderer. Leider
haben außer uns nur noch Schweizer den Weg nach hier gefunden. Aber man
fühlt sich dann nicht so allein.
Der Himmel ist wieder durchwachsen wolkig, aber wir denken, morgen wir
es wieder schön...
19.
06.08 Weiterfahrt über
Skagen und Sortland nach Lödingen
Und wieder ein supertoller Tag!
Der Campingplatz von heute Nacht ist eine Empfehlung wert. Schöner, großer,
parzellierter Platz mit ca. 25 Parzellen. Dazu saubere Toiletten und
Duschen mit reichlich kostenlosem Warmwasser. Eine gut ausgestattete Küche,
auch mit Tischen zum Sitzen. Dazu, egal wo man gerade steht, der Blick
auf´s, zum oder über´s Wasser des Fjordes. Und sehr ruhig war es.
Vorne im Restaurant hätten wir sogar frühstücken, inter-netten oder
einen zur Brust nehmen können – aber bei diesen Preisen.....Wir haben
diesen Platz aber aufgenommen in unserer persönlichen Liste für´s nächste
Mal. Man kann von dort prima Tagestouren auf die anderen Inseln machen.
Und hat abends wieder ein gepflegtes Zuhause.
Wir fuhren also weiter und fast waren wir ein bisschen traurig, dass wir
bald mit den "Vesteralen" gucken „durch“ sind. Die
Strasse, die wir dann heute fuhren, hat es uns dann etwas leichter
gemacht – ca. 12 Kilometer rauf und runter Schotterstrasse. Es war Gott sei Dank
trocken, und so ist unsere „Mücke“ nur ein bisschen verdreckt von
oben bis unten. Gefahren sind wir auf der Insel Sortland, aber die
hintere Strecke am Fjord entlang. Getroffen haben wir auf knapp 50
Kilometern 1 Fussgänger, 3 PKW – davon einen mit Litauer Kennzeichen
(was der da wohl macht?), einen LKW und ein Wohnmobil aus Belgien.
Gefunden haben wir wieder tolles Gebirge, Steinwälle, Bergseen, Wasser
ohne Ende, Schotterstrasse, sanfte Hügel und Wiesen und meist sonniges
Wetter, aber tief hängende Wolken über der Bergkulisse ringsherum.
Allerdings – diese Strecke muss man einmal gefahren sein, es gibt hübschere,
dramatischere Strecken...
Geendet hat diese Tour in Skagen. Rechts von uns
ist eine riesige Brücke auf die Nachbarinsel „Hadsel“. Aber die
sind wir nicht mehr gefahren. Wir müssen ja auch noch Herausforderungen
haben, wenn wir wiederkommen. Statt dessen sind wir zurück nach
Sortland, um dort Brot zu kaufen und ´ne leckere Tasse Kaffee zu
trinken. Eines muss man den Norwegern lassen – der Kaffee hier ist
Klasse. Aber ca. 5,20 Euro für zwei recht kleine Tassen sind auch `ne
Menge Geld.
Wir fuhren weiter, auf einen Tipp von zwei anderen Campern hin, bis Lödingen
in den Hafen. Beide sagten uns, dort wäre es preiswert zu stehen und
direkt am Wasser. Und so fuhren wir denn da auch hin. Ein kleiner
schmaler Weg führt an dem Berufsfischer-Minihafen auf einen großen
Platz, an dem es ausreichend Stromboxen und ein Servicehäuschen gibt.
Ebenso frisches Wasser, Duschen, Toilette und eine Geschirrspül-Gelegenheit.
Und mit viel Gottvertrauen und der Ehrlichkeit der anwesenden
Wohnmobil-Touristen rechnet dann auch die Stadt hier. An der Service-Häuschen-Tür
hängt ein Kasten, daneben liegen Tüten, in die man 125 norw. Kronen
(ca. 15.- Euro incl.
Strom) steckt und in den abgeschlossenen Kasten wirft.
Es war zwar erst gegen 13:30 Uhr als wir dort ankamen, aber nur mit viel
Glück bekamen wir noch einen Platz – und den exklusiv auf der ebenen
(!) Wiese, direkt am Wasser. Mit Blick auf ein Bergpanorama, vor der
Nase einen kleinen Strand, eine kleine Landzunge und man kann sowohl
eine Hurtigruten-Linie und ein Fährschiff und - wer weiß, was noch
kommt - beobachten, die nebenan im Haupt-Hafen starten und landen.
Direkt vor unserer Nase ein Leuchtturm, zu dem man über Holzstufen
hinaufsteigen kann. Von dort hat man dann wieder einen sagenhaften Blick
in den Fjord und die Bergkulisse rings herum.
Keine Frage, hier bleiben wir auch 2 Nächte.
Und die Sonne scheint oftmals auch noch. Spannend ist es auch,
denn hier kloppen sich wieder zwei Länder um Plätze und
Stromleitungen. Wir haben mittlerweile neben der Natur das Hobby: „
Touri-Gucken“ entwickelt. Ist vielleicht gehässig, aber ausgesprochen
spannend. Und da wir uns hier wieder auf der Lofoten-Rennstrecke
befinden, ist auch wieder der Teufel los, was den Touri-Verkehr angeht.
Ach, war es schön ruhig auf den Vesteralen!!
Den Platz/die Stadt Lödingen können wir geographisch nicht so genau
zuordnen. Sie liegt an der E10, aber so zwischen Lofoten, Vesteralen und
Ofoten. Wenn wir wieder zu Hause sind, werden wir das mal genauer in
Erfahrung bringen.
Morgen werden wir, wie schon geschrieben, hier bleiben, wenn das Wetter
wenigstens so bleibt. Wir haben keine Eile...
20.
06.08 ein weiterer Tag in Lödingen
Gestern Abend war es noch richtig lustig. Neben uns
stand ein deutsches Wohnmobil. Sie putzte und putzte, und ich fragte sie
im Scherz, ob sie nicht bei mir weitermachen wolle, da wir ja nun den
Dreck von den letzten Tagen noch drauf haben. In dem Moment kam ihr Mann
mit einem kapitalen Dorsch, den er soeben geangelt hatte – stolz wie
ein Spanier. Ich fragte natürlich, ob ich davon ein Foto machen dürfe.
Ich durfte und bewunderte natürlich sein Anglerglück. Worauf seine
Frau aus dem Hintergrund meinte, momentan würden sie noch den Fisch von
vorgestern essen müssen...
Der Abend war wolkenlos mit strammem Wind, und pausenlos fuhren jetzt
Lotsenboote raus, um große Pötte durch den Fjord zu leiten. Um 2:56
Uhr in der Nacht wurde ich wach, weil die Sonne mir ins Gesicht schien.
Sehr intensiv. Der ganze Stellplatz war in warmes Licht getaucht. Natürlich
versuchte ich wieder ein Foto zu machen. Wir haben es verpasst, als die
Sonne hinter den Hügeln wanderte, aber wir haben es mitgekriegt, als
sie plötzlich hinter den Wolken hervor kam und uns ausleuchtete. TOLL!
Ist fast nicht nachvollziehbar mitten in der Nacht.
Heute morgen war es dann erst mal sehr sonnig. Aber mittlerweile regnet
es ein bisschen. Aber die Sonne arbeitet dran, und vielleicht wird es ja
am Abend wieder schön und mit blauem Himmel. Und dann werden wir heute
Nacht bestimmt munter bleiben, um nix zu verpassen.
Anni drehte heute morgen nach dem Frühstück ihre Platzrunde. Nicht
weit von unserem Platz entfernt stand ein Mann und reinigte seine
Fische. Die Möwen waren wie die Geier – laut schreiend, gierig und
nicht schüchtern, dicht an den Mann heran zu fliegen, nur um etwas von
den Abfällen mit zubekommen. Anni sprach mit dem Mann und kam
vielleicht zwanzig Minuten später an mit einem Teller voller Fisch -
Scheiben. Sie strahlte über alle vier Backen. „Frischer Fisch ist der
beste, und den habe ich geschenkt bekommen“, meinte sie. Das fand ich
dann auch toll, und wir waren dann auch der Meinung, dem netten Mann was
abgeben zu können von unseren heimischen Getränken. Offensichtlich hat
Anni ihn damit dann sehr glücklich gemacht, denn sie kam mit weiteren
vier Stücken Fisch angetrabt. und mit der Mitteilung, dass der Mann
schon 54 mal hier gewesen sei und sich freuen würde, uns Tipps geben zu
können für diese Reise und die kommenden nach hier. Das werden wir später
machen und zu ihm hingehen.
Mittlerweile war es elf Uhr morgens, und das
Frühstück war schon zwei Stunden her. Anni rutschte unruhig auf ihrem
Sitz hin und her, bis sie dann beschloss, jetzt Hunger zu haben. Also
die vier letzten mitgebrachten Fisch-Stücke in die Pfanne und danach hörte
ich lange Zeit kein Wort mehr von Anni. Sie schwelgte schweigend im
Fischgenuss...
Bei der Gelegenheit: in diesem Land des Fisches ist es kaum möglich,
frischen Fisch zu bekommen und wenn, dann zu sehr hohen Preisen – und
allenfalls auf dem Markt. Man ist wirklich darauf angewiesen, auf den
Campingplätzen jemanden zu finden, der einem etwas verkauft, tauscht
oder schenkt – oder man muss selbst angeln. Ansonsten – und wir
haben da ja jetzt auch schon Erfahrungen gesammelt, ist es einfach
einzukaufen. Es gibt alles, auch Mineralwasser-Flaschen mit Pfand und
Pfandautomaten wie bei uns. Einige Geschäfte, die auch Lidl oder Aldi heißen
könnten und natürlich die großen klassischen Supermärkte wie z.B.
Coop. Aber so wirklich macht das Einkaufen keinen Spaß. Selbst simpler
Toast kostet hier an die 4 Euro. Und so sind wir schon recht froh, alles
reichlich dabei zu haben, außer halt den wenigen frischen Sachen, die
man so braucht.
Eigentlich wollte wir ein bisschen laufen und den Ort hier besuchen,
aber da es regnet lassen wir das erst einmal. Es ist richtig trist draußen,
die Wolken hängen sehr tief auf den Bergen, und es sieht aus, als würden
diese zusammengedrückt. Aber wir sind nun wirklich gezwungen, Pause zu
machen. Und überhaupt, Anni ist schon wieder verschwunden, Tipps bei
dem Mann abholen, und das dauert bis jetzt schon über zwei Stunden...
Morgen werden wir auf jeden Fall weiterfahren, über hübsche
Nebenstrecken nach Narvik und wenn möglich auch ein bisschen weiter.
Hier die Fähre am Ort geht auch nach Narvik, und alle zwei Stunden
taucht sie auch wieder vor unserem WoMo-Fenster auf. Aber ein Nachbar
hier sagte, es wäre die teuerste Fähre überhaupt. Und da wir es nicht
eilig haben und sowieso noch unzählige große und kleine Fähren auf
uns warten, fahren wir morgen erst mal „ außen rum“...
21.
06.08 Weiterfahrt über die Landstrasse 825 und Narvik nach
Ballangen
Es ist 9:00 Uhr, und Anni schläft noch fest. Kein
Wunder, wir haben Teile der Nacht damit verbracht, eine Art
Mitternachtssonne zu genießen. Gestern Abend gegen 20:00 Uhr riss der
Himmel wieder auf, der starke Regen hörte fast abrupt auf,
und wir hatten strahlenden Sonnenschein und blauen Himmel, bis
die Sonne gegen 22:30 Uhr hinter den Bergen erst mal verschwand. Hier
taucht die Sonne nicht bis an den Rand des Atlantiks, um dann wieder
aufzusteigen, sondern hier verschwindet die Sonne hinter den vor dem
Atlantik liegenden Hügeln, um dann zwischen denen wieder aufzutauchen,
und waagrecht zu wandern, bis sie auch hier optisch aufgeht. Dieser
Vorgang hat gute drei
Stunden gedauert und natürlich wollten wir uns das nicht entgehen
lassen. Und so saßen wir von Mitternacht bis 3 Uhr morgens im Wohnmobil
um „Sonne zu gucken“.
Wenn man sich vorstellt, es ist mitten in der Nacht, draußen ist alles
taghell, die Möwen kreisen – allerdings ohne Geschrei – einige
wenige Fischerboote tuckern durch den Fjord, und die Wellen plätschern
direkt vor der „Haustür“. Ist kitschig, ich weiß, aber
wunderschön.
Da Anni bei ihrem Besuch beim Fisch-Nachbarn diesem noch ´ne
„Pulle“ aus unserer Reserve versprochen hatte, brachte sie diese
gegen 21:00 Uhr dort hin. Und raten Sie mal, womit sie wiederkam? Fisch
natürlich. Aber nicht einfach so. Die beiden 83-jährigen hatten sich
die Mühe gemacht, als Gegenleistung für die nächste Pulle für Anni
„Fisch-Frikos“ zu machen. Das muss man sich dann so vorstellen: erst
wird der Fisch filetiert, dann vorgebraten, damit die Haut leichter
runter geht. Dann wird mühevoll das Fisch-Fleisch abgekratzt. Dazu hat
die „Chefin“ Brotstückchen klein geschnitten und viel Gewürze dazu
gegeben. Das ganze gut vermengt und in Silberpapier gepackt, quasi
bratfertig, damit Anni das alles mitnehmen kann. Toll, solche Menschen!
Und selten geworden.
Ich will hier keine Schimpfkanonade loslassen, aber manchmal platzt mir
der Kragen bei einigen unverschämten und großkotzigen Campern - wie
heute morgen. Zu dumm um die Wohnmobil-Toilette auszuleeren, aber
rummeckern, weil er warten musste und zwei andere erst „dran“ waren
mit Entleerung- einer davon war ich. Dabei hat der Kerl noch nicht mal
auf dem Platz, sondern davor gestanden und damit Platz-Gebühren
geschnorrt. War übrigens ein Deutscher mit ´nem Protz-Mobil.
Gegen 10:00 Uhr machten wir uns auf die Socken. Die Sonne schien wieder
vom blauen Himmel, und die Luft wirkte klar. Wir mussten zurück auf die
Rennstrecke E10 und eine Weile den dortigen Stress mit-ertragen, bevor
wir hinter der Tjeldsund-Brücke wieder abbiegen konnten auf die Straße
825 Richtung Gratangsbotn. Am Ende dieser Strecke landet man wieder auf
der E6, die wiederum wenige Kilometer weiter mit der E10 verschmilzt.
Diese Hinterlandstrecke an Fjorden vorbei, deren Namen ich nirgends
fand, an kleinen Fischerhütten, noch kleineren Siedlungen vorbei bis zu
einem Abzweig 829, mit der man den Weg nach Narvik abkürzen könnte.
Wir entschieden uns trotzdem für die 825er- Strecke. Wir waren fast
allein auf der Strecke. Außer Schafen und einem Angler sahen wir lange
nichts.
Dafür Wasserfälle einfach so neben der Strasse, reißende
Bäche und mal wieder Natur pur. Dann wurde es aber trotzdem irgendwann
langweilig, das Licht stand nicht sooo gut, und alle Fotos wirkten
düster. Und gerade da kam dann das nächste Highlight. Ein sonnenbeschienener
Berg und mehr als 12 Wasserfälle, die in den Fjord reinplatschten. Und
DAS war dann wieder schön zu gucken und zu fotografieren. Auf dieser
Strecke trafen wir dann auch gleich 3 (!) Holländer-Touris. Ich bin mal
gespannt, ob es den Tag noch mal gibt, wo ich zuerst an einer
Sehenswürdigkeit bin...
Als wir die E6 erreichten, regnete es so was, dass die Scheibenwischer
es nicht schafften und Sturzbäche an Wasser auf der Strasse
entlangliefen. Wenn man das positiv sieht, wir kriegten kostenlos das
Auto gewaschen, und einen Gebirgszug weiter war wieder eitel
Sonnenschein, also auch kostenlose Wagen-Trocknung.
In Narvik machten wir es kurz, wir kennen die Stadt und sie hat für uns
nicht den Charme, dass man dort verweilen müsste. Nur ein ganz
bestimmtes Hinweisschild wollte Anni noch mal fotografieren. Und das
stand Gott sei Dank immer noch am selben Platz und war ganz leicht zu
erreichen.
Die Fahrt ging weiter – jetzt endgültig auf
norwegischen Festland - nach Ballingen. Hier gibt es einen Campingplatz,
und obwohl uns einige Camper unterwegs gesagt hatten, dieser Platz wäre
nicht der Brüller, fuhren wir nach hier. Anni war schon ganz schön
quengelig, sie wollte doch unbedingt ihre Fisch-Frikos essen. Und
überfüllt wirkte es hier auch noch nicht. So landeten wir gegen 15:30
Uhr hier auf dem Campingplatz Ballingen. Und da stehen wir nun mit Blick
auf den Fjord. Es ist warm hier und sonnig. Und der Tag ist gelaufen.
Morgen werden wir weiterfahren und damit zurück auf den Campingplatz
„Saltstraumen“ hinter Bodö und dann weiter auf unserer Route
der RV 17 die Küste runter...
22.
06.08 Weiterfahrt von Ballangen über Engeloya nach Saltstraumen
Heute war ein Fahrtag. Gegen 9:15 Uhr fuhren wir
von Ballangen los.
Allen Unkenrufen zum Trotz, dieser Camping-Platz ist optisch Klasse. Vom
gegenüberliegenden Berg kommt ein Wasserfall ins Tal, läuft
kanalisiert in einen fast reißenden Bach, um danach im Fjord zu enden.
Schade, dass wir nicht gesehen haben, dass es auch da einen Stell-Platz
zum Übernachten für uns gegeben hätte. Auch ansonsten war der Platz
schön, den Fjord vor der Nase, im Hintergrund die schneebedeckten Berge
und davor zusätzlich noch einen weiteren kleinen Bach, der auf rotem
Steingrund ebenfalls in den Fjord floss, leise und gluckernd. Die sanitären
Einrichtung waren sauber und ausreichend. Nur Internet war zu teuer –
40 Kronen für 1 Stunde (7,-Euro), das ist fast Wucher.
Unsere Tour ging auf der Rennstrecke E6 Richtung
Bodö. Festzustellen bleibt, dass der Autoverkehr auf der E6 in den
Norden um ein Vielfaches höher ist, als der in den Süden. Aber
trotzdem wurde man pausenlos bedrängt – von Bussen, von
Caravanfahrern, von einheimischen Autofahrern, endlich Platz zu machen,
damit überholt werden kann. Damit macht eine auch trotz Nieselregen
immer noch landschaftlich reizvolle Strecke überhaupt keinen Spaß.
Permanent fühlt man sich gehetzt und wir beide sind nun wirklich keine
Schlaftabletten hinterm Steuer...
Irgendwie und irgendwann erreichten wir dann auch die Fähre von
Skarberget nach Bognes – der einzigen momentanen Fährstrecke auf der
E6 in dieser Gegend. Wir mussten ca. 40 Minuten warten bis die nächste
Fähre kam. Vor uns stand neben einem weiteren PKW nur ein Bus voller
ostdeutscher Touristen, die aufgrund der langen Wartezeit ausgestiegen
waren. Dauernd guckten sie auf unser Nummernschild, das für Viersen
auch aus 3 Buchstaben besteht – und 3-Buchstaben-Nummernschilder sind
ja eher „Ossi-Recht“. Irgendwann fühlte ich mich genötigt, den
mittlerweile 6 Leuten, die vor unserem Auto standen zu erklären, dass
wir am Niederrhein ansässig wären und daraus ergab sich dann eine
tolle Diskussion über Meck-Pomm und die dortigen Campingplätze. Ich
muss sagen, die Leute waren nett und informiert. Am lustigsten fanden
wir es dann aber doch, dass der Busfahrer/Reiseleiter zu uns kam, um
sich von uns sagen zu lassen, wo er mit seinen Touris denn noch
hinfahren könne, um ihnen was zu bieten. Wir empfahlen ihm Saltstraumen,
da er sowieso in Fauske, dem Ort vor Bodö übernachten sollte. Das
allerschärfste aber war, dass ungewollt und nicht beabsichtigt, diese Fähren-Überfahrt
für uns kostenlos war. Wir sollten an Bord bezahlen, da der Kassierer
an Land keine Mastercard nehmen wollte/konnte. Aber an Bord wollte auch
keiner unsere Karte und so konnten wir nur von dannen fahren, als wir
wieder auf dem Festland ankamen. Ich sehe es in diesem Falle als Honorar
für die Aufklärung und Beratung der Bus-Reiseleitung für deren
weitere Fahrt...
Wir machten auf unserem Weg, Richtung Bodö, einen
Abstecher zur klitzekleinen Insel „Engeloya“ an der Strasse 835. Vor
guten zwanzig Jahren waren wir hier einmal unfreiwillig gelandet, weil
wir in Skutvik die falsche Fähre genommen hatten. Damals mussten wir
eine Woche ausharren, bis wieder eine Fähre kam. Heute gibt’s da Brücken...
und Holländer. Wir fuhren noch mal zu der Stelle, an der wir damals in
einer Hütte wohnten, und von der aus wir die einzige echte
Mitternachtssonne gesehen hatten - ganz zu schweigen, dass es all die
Tage dort sonnig und bis dreißig Grad warm war. Aber manchmal ist es
besser, seine innerlich verherrlichten Erinnerungen zu behalten, als
nach so vielen Jahren nachzusehen wie es denn heute da so aussieht...
Wir fuhren zurück zur E6 und weiter und weiter,
anscheinend endlos. Dabei überwanden wir insgesamt 21 Tunnel, den kürzesten
mit wenigen Hundert Metern, die längsten mit mehr als 8 Kilometern. Die
Campingplätze unterwegs gefielen uns nicht, und das Wetter war auch
eher trübe. Also zogen wir durch bis nach Saltstraumen, unserem
Campingplatz auf dem wir zur Beginn dieser Reise schon einmal waren.
Somit hat sich der Kreis unserer Insel-Touren hier auch geschlossen.
Morgen fahren wir weiter auf der RV 17 – der Küstenstrasse
mit ihren vielen Fähren. Somit werden wir viel Natur, wenig Rennstrecke
und hoffentlich bestes Wetter erleben. Und unsere Touren werden kurz
sein...
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